1. Wissenschaftliche Sitzung des 112. Vereinssemesters

Am vergangenen Donnerstag, den 28. April 2016 referierte unser lieber Bundesbruder AH Domkapitular Prälat Dr. Christoph Kühn zum Thema: „Ursprünge, Wesen, Auftrag und Wirken der Ritterorden. Woher kamen die Ritterorden und welche Aufgabe erfüllen sie heute noch?“ vor den wachsamen Augen und Ohren der versammelten Bundesbrüder, Farbenbrüder und Gäste.

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Der hohe Senior Bbr. Thomas Laib v/o Rammbock begrüßte den werten Referenten und die Zuhörerschaft mit einem Gedicht des berühmten Minnesängers Wolfram von Eschenbach:

Laß Herre, mich nicht übersehen,
Was mir an Heil und Huld geschehen,
An Seligkeit, die endelos.
Dein Kind und Dein Sippengenoß
Bin ich, Dir ganz ungleicher:
Ich Armer und Du Reicher,
Versippt in Deiner Menschlichkeit,
Doch teilhaft Deiner Göttlichkeit,
Das Vaterunser mich nennet,
Als Kind mich anerkennet.

Die Ritterorden ordneten ihren Auftrag, ihren Ursprung und ihr Wesen gänzlich dem Ideal „monachus et miles“ – Mönch und Ritter – unter. Ritterorden wie zum Beispiel die Templer, der Johanniterorden oder Deutscher Orden entstanden erstmals im Hochmittelalter im Rahmen der Kreuzzüge im Heiligen Land. Die Gründungswelle der Ritterorden erstreckte sich über die Iberische Halbinsel und das Baltikum.

Schon bald errichteten die Kreuzfahrer Stützpunkte in den Herkunftsländern.
Damit schufen sich die Orden eine Basis für die Zeit, als sie zu Versorgungseinrichtungen für den Adel wurden, nachdem ihr ursprüngliches Ziel, der Kampf gegen die Heiden, zunehmend zurückgetreten war.

Nichtsdestotrotz blieb das Ideal der hochmittelalterlichen Ritterorden stets lebendig und inspirierte immer wieder dazu, Orden neu zu gründen. Auf fürstliche Initiative hin entstanden im Spätmittelalter höfische Ritterorden. Diese waren mit Dynastien verbunden und bildeten einen Kern des sich entwickelnden Hofadels, beispielsweise der Orden vom Goldenen Vlies in Burgund oder der Schwanenorden der Hohenzollern.

Ebenfalls wurden im 18. und 19. Jahrhundert Ritterorden gegründet oder wieder belebt. Hierzu zählen vor allem die bayerischen Hausritterorden St. Georg und St. Hubertus oder der Ritterorden vom Heiligen Grab. Letztgenannter genießt dieselbe unmittelbare Anerkennung der katholischen Kirche wie der Malteserorden. Beide stehen deshalb in einem besonderen Souveränitätsverhältnis zum Heiligen Stuhl.

Die alten Orden überstanden sowohl die Reformation als auch die Säkularisation. Ihre alten Aufgaben nahmen sie teilweise noch im Kampf gegen die Türken während der Frühen Neuzeit wahr. Schließlich entwickelten sich die Ritterorden im 19. und 20. Jahrhundert zu Trägern von sozialen Einrichtungen. So ist es unser großer Stolz, dass einige Vertreter unserer ehrenwerten Altherrenschaft als Angehörige des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem privilegiert sind!

Marcel Sahlmen & Thomas Laib

 

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